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Archivale im Fokus

07.07.2016

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Bild 1: Reskript Kurfürst Augusts mit gestempelter Unterschrift, 20. Mai 1585 (SächsStA-D, 10052 Amt Grillenburg, Nr. 54)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Die E-Akte und mit ihr das elektronische Staatsarchiv (el_sta) sind die Zukunft der Schriftgutverwaltung. Innovative Bürotechnik hat in Sachsens Behörden jedoch schon lange Tradition, wie unser heutiges Archivale zeigt.

Es ist Sachsens ältester Stempel. Ihn führte Kurfürst August (1553-1586) in der Landesverwaltung ein. Über viele Jahre hinweg leitete der Herrscher die Kammer- und Finanzverwaltung seines Landes eigenhändig, stieß mit seinem »persönlichen Regiment« aber immer öfter an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. So ließ er im November 1584 für seinen Kammersekretär Hans Jenitz einen Metallstempel mit dem Faksimile seiner Unterschrift herstellen. Mit diesem »Cachet« – französisch für Stempel – konnten seine engsten Vertrauten bestimmte Dokumente in seinem Namen »unterzeichnen« (Bild 1) und ihn von der Alltagsarbeit entlasten.

Später als Sinnbild eines übertriebenen Formalismus verspottet, galt das Stempeln im 16. Jahrhundert noch als revolutionär. Für den technikbegeisterten Kurfürst, der in seiner Kunstkammer im Dresdner Schloss leidenschaftlich Instrumente und Maschinen verschiedenster Art sammelte, war es eine besonders innovative Form früher »Büroautomation«, die erhebliches Effizienzpotential barg. Andernorts – etwa am Kaiserhof – hatte man Unterschriftenstempel schon mit Erfolg erprobt.

Von der handschriftlichen Signatur des Kurfürsten (Bild 2) ist der Stempelabdruck kaum zu unterscheiden. Einen Haken hatte das neue Verfahren jedoch: Die Echtheit der von August nicht mehr eigenhändig unterschriebenen Dokumente war nicht ohne weiteres nachprüfbar – andere hätten den Stempel missbrauchen können. Aber auch hier hatte man eine Idee: Jedes mit dem »Cachet« gestempelte Dokument wurde in einem besonderen Verzeichnis registriert (Bild 3-4). So ließ sich jederzeit beweisen, dass es tatsächlich aus der kurfürstlichen Kammer stammte.

Vergleichbares leistet heute, im Zeitalter von E-Government, die elektronische Signatur, die nachvollziehbar macht, dass ein digitales, ohne Unterschrift versendetes Schreiben tatsächlich von einem authentifizierten Aussteller stammt.

Das Register der im Namen Augusts gestempelten Dokumente und die abgebildeten Ausfertigungen – eine mit Stempel, die andere mit der eigenhändigen Unterschrift des Kurfürsten – verwahrt das Hauptstaatsarchiv Dresden.

Bild 1: Reskript Kurfürst Augusts mit gestempelter Unterschrift, 20. Mai 1585 (SächsStA-D, 10052 Amt Grillenburg, Nr. 54) Icon vorheriges Bild Icon nächstes Bild Icon Bild vergrößern

Bild 1: Reskript Kurfürst Augusts mit gestempelter Unterschrift, 20. Mai 1585 (SächsStA-D, 10052 Amt Grillenburg, Nr. 54)
(© Sächsisches Staatsarchiv)

Bild 1: Reskript Kurfürst Augusts mit gestempelter Unterschrift, 20. Mai 1585 (SächsStA-D, 10052 Amt Grillenburg, Nr. 54) Bild 2: Reskript Kurfürst Augusts mit eigenhändiger Unterschrift, 3. Mai 1579 (SächsStA-D, 10052 Amt Grillenburg, Nr. 54) Bild 3: Ausgangsregister der mit dem »Cachet« gestempelten Reskripte Kurfürst Augusts,1584–1586, Titelblatt (SächsStA-D,10024 Geheimer Rat [Geheimes Kabinett], Loc. 10047/3) Bild 4: Ausgangsregister der mit dem »Cachet« gestempelten Reskripte Kurfürst Augusts,1584–1586, Bl. 29r-30v (SächsStA-D,10024 Geheimer Rat [Geheimes Kabinett], Loc. 10047/3)

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