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Archivale im Fokus

02.06.2016

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Auflistung einer Flüchtlingsfamilie, 1946 (SächsStA-C, 32704 Volkspolizeikreisamt Glauchau, Nr. 32)
(©Sächsisches Staatsarchiv)

Gegen Ende des 2. Weltkrieges flüchteten etwa elf Millionen Menschen vor dem Krieg und der sowjetischen Besetzung Osteuropas nach Deutschland oder wurden aufgrund ihrer Nationalität ausgewiesen. Belege dafür finden sich in der Überlieferung von Ministerien und anderen Behörden. Konkret nachvollziehbar wird dies aber auf Kreisebene.


Gezeigt wird hier eine Aufstellung des Bürgermeisters von Reinholdshain bei Glauchau über eine Flüchtlingsfamilie, die 1945 aus Untermetzenseifen in der Slowakei nach Reinholdshain kam. Die Familie konnte auch nach mehreren Jahren nicht ihre tschechoslowakische Staatsangehörigkeit nachweisen und wurde erst aufgrund eines Erlasses der sächsischen Landesregierung vom 5. April 1948 zu deutschen Umsiedlern ohne deutsche Staatsangehörigkeit erklärt.

Die Akten 24 bis 32 des Bestandes enthalten zahlreiche vergleichbare Schicksale. Diese Ausländerakten setzen sich in der Regel wie folgt zusammen: 1. Aufenthaltsanzeige eines Ausländers (oft in mehrfacher Ausfertigung), 2. Fragebogen für Personen ausländischer Staatsangehörigkeit mit Strafregisterauszügen (meist nur für die Zeit nach dem 9. Mai 1945), 3. Personenbeschreibungen, 4. Leumundszeugnisse, 5. Schriftverkehr und Notizen, 6. Beschlüsse und Verfügungen, 7. seltener Anträge zur Ausfertigung einer Staatsangehörigkeit, Sterbeurkunden, Trauscheine sowie Befreiungsscheine. Auf dem Aktendeckel wurden neben dem Namen der aktuelle Wohnort sowie Verzugsvermerke festgehalten.

Wirft man einen genaueren Blick in die Ausländerakten, sind unter dem Punkt Staatsangehörigkeiten die verschiedensten Nationalitäten verzeichnet. Insbesondere wurden Menschen aus Rumänien, der Tschechischen Republik sowie Staatenlose und Volksdeutsche im Kreis Glauchau registriert. Des Weiteren hatten einzelne Vertriebene und Flüchtlinge die Staatsbürgerschaft von Österreich, Italien, Jugoslawien, Serbien, Dänemark, der Ukraine, Litauen, Japan, Ungarn, Frankreich, Polen, Russland, der Schweiz, Kanada und der Niederlande.

Die Mehrheit der Flüchtlinge im Kreis Glauchau wartete auf die nächstbeste Rückreisemöglichkeit in die alte Heimat, da dort oft noch Familienangehörige lebten. Darunter waren viele Frauen, die auf die Rückkehr ihrer Männer aus der Kriegsgefangenschaft warteten. Ein großer Teil dieser Menschen wollte sich aber auch dauerhaft in Deutschland ansiedeln – sei es wegen besserer Gesundheitsversorgung, mit der Absicht einer Eheschließung oder weil sie hier schon einer Berufstätigkeit nachgingen.

Der Bestand 32704 Volkspolizeikreisamt Glauchau umfasst insgesamt 22,20 lfm und ist über eine Datenbank voll erschlossen. Der Bestand enthält u.a. Eingaben, Parteiunterlagen, Diensttagebücher Stab, Rapporte, Lageeinschätzungen, Lagefilme, Operative Einsätze, Organisation, Kriminalpolizei, Anzeigetagebücher, Einstellung von Ermittlungen gemäß § 143 StPO, Ausländerakten, Rückkehrer/Zuzüge.

Über den Download kann eine vergrößerte Version des Dokuments aufgerufen werden.

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